Klaus Holetschek

"Mehr Zeit für Pflege"

31.10.2014, 10:53 Uhr | Johannes Wiest

1. Memminger Pflegegipfel in der Stadthalle

Memmingen (jw): Unter dem Motto "Mehr Zeit für Pflege" veranstaltete Landtagsabgeordneter Klaus Holetschek gemeinsam mit seinen beiden Bundestagskollegen Stephan Stracke (MdB) und Dr. Georg Nüßlein (MdB) ihren ersten Pflegegipfel im vollbesetzten „Kleinen Saal“ der Stadthalle. Es diskutierten Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, der Diakonie Memmingen, der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege Bayern und des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. sowie Pflegedienstleiter.
Foto: Privat.Foto: Privat.
"Das Thema Pflege hat einen hohen Stellenwert und verdient hohe Aufmerksamkeit" sagte Landtagsabgeordneter Klaus Holetschek in seiner Gästebegrüßung. Holetschek dankte zudem allen Pflegenden: „Kaum ein Beruf ist sowohl physisch als auch psychisch so anstrengend wie der Pflegeberuf“. Das Thema Pflege stehe daher zu Recht im Fokus der politischen Arbeit. „Seit dieser Legislaturperiode gibt es in Bayern zum ersten Mal ein eigenes Ministerium für Gesundheit und Pflege sowie einen neu geschaffenen eigener Landtags-Ausschuss, dessen Mitglied ich bin. Dies zeigt deutlich, welchen Stellenwert der Freistaat diesem Bereich zumisst“, so Klaus Holetschek. Ob es um die Frage der Ausbildung von Pflegekräften geht, um die Bezahlung der Mitarbeiter oder um das immer aktueller werdende Thema Pflege Demenzkranker: Andreas Ellmaier, leitender Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) und stellvertretender Abteilungsleiter Prävention und Pflege sowie Leiter der Pflegeforschung und Pflegewirtschaft sagte in seinem Impulsvortrag: "Es gibt immer mehr ältere Menschen, die im hohen Alter oftmals auf Unterstützung und Pflege angewiesen sind. Es sei deshalb wichtig frühzeitig soziale Netzwerke aufzubauen. "Pflege geht uns alle an", so Ellmaier. Menschen hätten Angst im Alter richtig versorgt zu werden. Die Kommunen müssten in der pflegerischen Versorgung aktiv eingebunden werden. Wesentlich dabei ist, junges Pflegepersonal rechtzeitig heranzubilden. Schon heute sei in Bayern die Pflege- und Gesundheitsbranche der Arbeitgeber Nummer eins. Der Pflegeberuf sei einer der sichersten die es gibt. Wichtig sei unter anderem auch die Schaffung eines Ausbildungsfonds zur Förderung pflegender Angehöriger und die Förderung von Fachstellen für neue Wohnbauformen. "Die Pflege muss sich am Menschen orientieren", so Klaus Holetschek. Deshalb soll auch die bisher übliche Dokumentationspflicht entschlackt werden. Laut Holetschek kommt es vor allem auf eine in der Praxis gut umsetzbare, unbürokratische Handhabung an. Hierzu laufen bereits vielversprechende Modellprojekte wie etwa „ReduDok“, dessen Ziel bereits im Namen steckt: Die Reduktion der Dokumentation. „Entscheidend ist hier vor allem, dass bei einer Reduzierung der Dokumentation mehr Zeit für den zu Pflegenden bleibt“. Zudem sei eine maßvolle Akademisierung der Pflege ein wichtiger und richtiger Weg, aber auch eine generalistische Ausbildung bei der alle wichtigen Bereiche in der Pflege abgedeckt würden, sei von großer Bedeutung. „Wir dürfen nicht sinnlos um der bloßen Akademisierung willen immer mehr Studenten für den Pflegeberuf fordern“, so Dr. Nüßlein. Wichtig sei die Entwicklung eines einheitlichen Berufsbilds „Pflege“ mit einer generalistischen Grundausbildung und darauf aufbauender Spezialisierung für die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Dies sorge für mehr Durchlässigkeit und höhere Attraktivität des Berufs, so Nüßlein und Holetschek unisono.
 
Der Wunsch so lange wie möglich bei der eigenen Familie und in der vertrauten Umgebung alt zu werden, ist bei vielen Menschen verbreitet. Das Engagement hierfür sollte laut Stephan Stracke deshalb weiter gestärkt werden. Laut Statistik pflegen immer noch über 70 Prozent ihre Angehörigen zu Hause. Stracke fordert deshalb Zuschüsse für neue Wohnformen ebenso wie Lohnersatzleistungen und unterstützt ebenso die Einrichtung des genannten Pflegefonds: "Der Versorgungsforschung muss definitiv wieder mehr Gewicht eingeräumt werden“, so Stracke. 
 
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit den Vertretern des Staatsministeriums, der Diakonie, der freien Wohlfahrtspflege und des Bundesverbandes privater Anbieter sowie Pflegedienstleiter unter der Moderation der "Health & Care"-Chefredakteurin Ivonne Rammoser wurde durchaus kontrovers diskutiert. Nicht alle Aussagen der Praxis-Spezialisten waren konsensfähig. Einig war man sich aber darüber, dass die Betreuungskräfte aufgestockt werden müssen. Ebenso bestand Einigkeit beim Thema, dass ohne pflegende Angehörige das Pflege-System nicht aufrecht erhalten werden könne und daher die Häuslichkeit gestärkt werden müsse. Auf die Frage was sich ändern müsse antwortete dagegen der Vorstand des Diakonischen Werkes Memmingen, Alexander von der Marwitz, dass die Attraktivität des Pflegeberufes deutlich aufgewertet werden müsse. Er könne sich außerdem durchaus auch die Wiedereinführung eines sozialen Jahres für alle Jugendlichen vorstellen. Eine heftige Diskussion gab es dagegen beim Thema Einführung einer Pflegekammer. Während der Geschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V., Herbert Mauel, die Einführung einer Pflegekammer eher ablehnend beurteilte, erntete er dafür aus dem Publikum vom Stationsleiter des Klinikums und Leiter des Fördervereins zur Gründung einer Pflegekammer, Hans Hofer, heftige Kritik. Mit der Aufforderung: "Es muss alles bezahlbar bleiben" und der Ankündigung von Holetschek das Veranstaltungsformat aufgrund der großen Resonanz und Bedeutung des Megathemas Pflege weiter fortzuführen endete die von zahlreichen Besuchern als persönliche Bereicherung empfundene Veranstaltung.
 
Text: Johannes Wiest. 

Bildunterschrift: Großes Interesse und intensive Dikussionen beim 1. Memminger Pflegegipfel, auf dem Bild zu sehen: MdL Klaus Holetschek als Diskussionsleiter auf "Stimmenfang".