Deutsche im Stress
Bad Füssing. Jeder fünfte Deutsche ist unter Dauerdruck, 40 Prozent der Berufstätigen fühlen sich abgearbeitet und jeder Dritte kann nicht mehr abschalten – das sind nur drei alarmierende Ergebnisse der Stressstudie „Bleib locker, Deutschland!“ der Techniker-Krankenkasse. Der Bayerische Heilbäder-Verband fordert deshalb CDU, CSU und SPD auf, bei den Koalitionsverhandlungen zum Thema Gesundheit die Weichen für eine nachhaltige Prävention zu stellen. „Die Studie der Techniker-Krankenkasse zeigt, dass Deutschland alles andere als locker ist“, so der Vorsitzende des Bayerischen Heilbäder-Verbandes Klaus Holetschek. „Seit Jahren nehmen neue Volkskrankheiten wie Burnout oder Diabetes zu. Gleichzeitig sparen die Krankenkassen drastisch bei den ambulanten Vorsorgeleistungen. Das Gesundheitssystem ist in einer Schieflage. Wir müssen weg vom Kurieren der Krankheiten hin zu einer echten Prävention.“
Nach Angaben der Techniker Krankenkasse sind insbesondere bei den psychischen Erkrankungen neben den Fallzahlen vor allem die Trends beunruhigend. So haben psychisch bedingte Fehlzeiten seit 2006 um mehr als 75 Prozent zugenommen. Auch die Anzahl stationärer Behandlungen aufgrund psychischer Erkrankungen ist in den letzten fünf Jahren der Studie zufolge um 25 Prozent angestiegen. Gleichzeitig stiegen die Kosten dafür um 33 Prozent. „Wenn drei Viertel aller Menschen, die sich gestresst fühlen, dann auch noch über Rückenleiden klagen und jeder Zweite unter Stress Schlafstörungen hat, reicht es längst nicht mehr, wenn Krankenkassen Kurse und Seminare zur Stressbewältigung anbieten“, betont Holetschek. Vielmehr müsse die Politik jetzt die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Prävention schaffen. „Dazu gehört zum Beispiel, dass die Kur zur Pflichtleistung der Kassen wird, und dass den Unternehmen ein langfristig angelegtes betriebliches Gesundheitsmanagement erleichtert wird.“ Dringend nötig sei auch ein „Bündnis für gesunde Mitarbeiter“ mit Vertretern der Tarifvertragsparteien, der Politik, der Krankenkassen und der Gesundheitswirtschaft. In Bayern sei dafür bereits ein Anfang gemacht worden.
Holetschek verwies darauf, dass die deutsche Gesundheitswirtschaft bei Umsätzen von rund 300 Milliarden Euro pro Jahr und Zuwachsraten von 2 bis 3 Prozent eine der bedeutendsten und stabilsten Wirtschaftsbranchen ist. „Es gilt jetzt, die gesamte medizinische Wertschöpfungs- und Versorgungskette auf den Prüfstand zu stellen. Dazu gehören Früherkennung und Prävention, die Patientenversorgung, Pflege, die Krankenversicherung und ihre Leistungen sowie die Rehabilitation und ambulante Vorsorge.“ Die Politik habe geeignete Mittel zur Hand – mit Förderprogrammen, steuerlichen Anreizen oder gesetzlichen Regelungen könne sie dazu beitragen, dass der Weg für eine nachhaltige Präventionsstrategie geebnet werde.
Die bayerischen Kurorte und Heilbäder spielen in der Prävention und Rehabilitation eine herausragende Rolle. Sie generieren eine Bruttowertschöpfung von 3,7 Milliarden Euro und stehen in Bayern für 100.000 Arbeitsplätze. Sie sollen unter anderem durch ein bundesweit einmaliges Förderprogramm der Bayerischen Staatsregierung zur Steigerung der medizinischen Qualität in Kurorten und Heilbädern auf medizinische Zukunftsthemen wie Burnout, Rückenleiden oder Osteoporose ausgerichtet und zu modernen Gesundheitszentren im ländlichen Raum ausgebaut werden.