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30.08.2018 | Pressemeldung

„Bei den Hausärzten laufen die Fäden der medizinischen Versorgung zusammen“

Gesundheitspolitischer Austausch in der Praxis von Dr. Berger

Augsburg/Memmingen. „Aufgabe einer verantwortungsbewussten Politik muss es sein, eine wohnortnahe Versorgung mit Leistungen von Hausärzten, Fachärzten und Apotheken sowie eine bedarfsgerechte Krankenhausversorgung flächendeckend in allen Landesteilen Bayerns nachhaltig sicherzustellen“, stellte Klaus Holetschek, CSU-Landtagsabgeordneter aus Memmingen und Bürgerbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, bei seinem Besuch in der Landarztpraxis von Dr. Johannes und Dr. Jakob Berger in Meitingen (Kreis Augsburg) im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin fest.



Ein wesentlicher Baustein, um eine flächendeckende medizinische Versorgung durch Hausärzten zu garantieren, sei aber die Weiterentwicklung der Hausarztverträge, erklärte Dr. Berger. „Wir brauchen Bonusanreize für Versicherte, die sich freiwillig in einen Hausarztvertrag einschreiben. Die HzV bietet gerade jungen Hausärztinnen und Hausärzten eine wirtschaftlich sinnvolle Perspektive sich niederzulassen, entlastet die Kassen durch unnötige Kosten für Doppel- und Falschuntersuchungen und garantiert den Patienten eine bessere Versorgung.“ So seien HzV-Hausärzte unter anderem verpflichtet, sich regelmäßig in allen hausarztrelevanten Themen weiterzubilden. „Davon profitieren alle Patienten, egal, ob sie in der HzV eingeschrieben sind oder nicht. Diese Mehrleistung können wir aber nur bieten, wenn wir die HzV weiter ausbauen.“ Klaus Holetschek: „Bei den Hausärzten laufen die Fäden der medizinischen Versorgung zusammen. Bayern hat deshalb als eines der ersten Bundesländer ein Programm aufgelegt, mit dem die Niederlassung im ländlichen Raum gefördert wird. Inzwischen konnten 422 Mediziner bei der Praxisgründung unterstützt werden, davon 341 Hausärzte. Außerdem wird es an der neuen medizinischen Fakultät der Universität Augsburg gleich vom Start weg einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin geben. Auch dies ist eine Stärkung der Hausärzte.“

Ein weiteres Thema beim Praxisbesuch war die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH), die den Arzt bei Routinehausbesuchen entlasten kann. Dr. Berger warnte in diesem Zusammenhang die Politik davor, dieses Erfolgsmodell durch externe Anbieter zu torpedieren: „Das würde nur zu höheren Kosten und Abstimmungsproblemen führen. Die VERAH ist Teil des Praxisteams, hat einen engen Draht zum Hausarzt, kennt die Patienten und die Patienten kennen sie. Besser geht es nicht.“ Auch hier, so Dr. Berger, biete die Digitalisierung Chancen. „Unsere Tele-VERAH hat in ihrem Rucksack mehrere digitale Messgeräte und kann vor Ort die wichtigsten Daten eines Patienten direkt in Echtzeit - und natürlich verschlüsselt - in die Praxis übermitteln und mit dem Hausarzt die weiteren Schritt besprechen.“ Klaus Holetschek, der auch Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag ist, versprach, diese Projekt zu unterstützen: „Im Zeitalter der Digitalisierung müssen wir zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger die Chancen nutzen, die sich durch die neue Technik ergeben.“ Rund um den Tag der Hausarztmedizin laden Hausärztinnen und Hausärzte in ganz Bayern Abgeordnete zum Besuch in ihre Praxen ein. Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes: „Diese Praxisbesuche sind eine gute Gelegenheit, um den Politikern anschaulich zu zeigen, welche Herausforderungen wir Hausärztinnen und Hausärzte jeden Tag meistern müssen, um die flächendeckende Versorgung für unsere Patientinnen und Patienten in Stadt und Land sicherzustellen. Unsere Themenschwerpunkte beim Tag der Hausarztmedizin sind in diesem Jahr die Stärkung der hausärztlichen Aus- und Weiterbildung, die Verbesserung der Rahmenbedingungen der Praxistätigkeit und die Förderung der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) über Bonusanreize für die Versicherten.“ Mit Blick auf den drohenden Hausarztmangel würden die gemeinsamen Anstrengungen der letzten Jahre mittlerweile erste Erfolge zeigen. So wachse das Interesse der Medizinstudierenden, sich später als Facharzt für Allgemeinmedizin niederzulassen. Dr. Geis: „Die gesetzliche Absicherung der Hausarztverträge, die Abschaffung der Regresse, die Reform des Bereitschaftsdienstes, die Streichung der Residenzpflicht und die Zulassung von hausärztlichen MVZs waren wichtige Meilensteine, um den Hausarztberuf attraktiver zu machen. Junge Mediziner können jetzt frei entscheiden, wo und wie sie in den Beruf starten wollen: Ob gleich als niedergelassener Hausarzt mit eigener Praxis oder zusammen mit Kollegen in einer Gemeinschaftspraxis oder zunächst festangestellt bzw. in Teilzeit. Hausarzt zu sein, ist heute nicht nur der schönste Beruf der Welt, sondern auch der familienfreundlichste.“ Dennoch mahnt Dr. Geis: „Jeder dritte Hausarzt ist über 60 Jahre alt. Noch immer schließt allein Bayern jede Woche eine Hausarztpraxis, weil sich kein Nachfolger findet. Wir dürfen deshalb nicht nachlassen, alles zu unternehmen, um die medizinische Versorgung der Patienten in Stadt und Land zu sichern, aber wir sehen auch erste Erfolge.“

Foto: Praxisbesuch: MdL Klaus Holetschek (M.) mit den Doktores Johannes und Jakob Berger (rechts).